Im Interview: So war es als Volontärin in Costa Rica

Auf der Suche nach den Aras 

Sie möchten mehr über die Freiwilligenarbeit bei Tropica Verde wissen? Dann sind Sie hier richtig!

In unserem Interview erzählen die beiden Volontärinnen Bastienne Dünbier und Freya Wenzel nach ihrer Freiwilligenarbeit in den Tropica Verde (TV) Projekten «Reserva Kinkajou» und «Monte Alto» hautnah, was sie erlebt haben.

Volontärinnen Freya und Bastienne

Hi Bastienne & Freya, ihr habt im November 2022 ein Volontariat in 2 Projekten von Tropica Verde gemacht. Wie kam es dazu?

Wir hatten gerade unser Studium abgeschlossen und große Lust, noch einmal über den Tellerrand hinaus zu schauen, am liebsten in Form von sinnvoller Projektarbeit. Wir sind beide sehr naturnah aufgewachsen, und die Umwelt liegt uns am Herzen. Freyas Mutter ist in Hessen als Försterin tätig. So sind wir über einen befreundeten Kontakt, der auch im Naturschutz tätig ist, auf Tropica Verde gestoßen und haben dort einfach mal angerufen. Eine sehr freundliche Mitarbeiterin gab uns den Kontakt des Projektverantwortlichen Stefan Rother mit der Empfehlung, ihm eine Mail mit unserer Anfrage zur Beteiligung in aktuellen Projekten zum Schutz des Regenwaldes zu schreiben. Stefan hat sich sofort bei uns gemeldet und sein Möglichstes getan, um uns für einen Monat in zwei verschiedene Projekte der Organisation einzubinden. Nach wenigen Telefonaten und Videocalls wussten wir, dass wir während unserer Südamerikareise einen Monat inmitten des Dschungels verbringen werden. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle nochmals herzlich bei Stefan Rother bedanken. Ohne sein Engagement wäre uns diese einmalige Erfahrung nicht möglich gewesen.

Mit welchem Projekt habt ihr gestartet und was waren eure Erwartungen?

Wir haben zuerst die Reserva Kinkajou besucht. Dieses Gebiet zum Schutz des Großen Soldatenaras grenzt an den Braulio Carrillo Nationalpark. Wir wussten, dass unsere Unterkunft, die Yatama Ecolodge, die direkt neben der Reserva Kinkajou liegt, sehr schwer erreichbar ist. Daher haben wir uns das Projekt sehr abgeschieden und ursprünglich vorgestellt. Das hat soweit gestimmt, bis wir gelernt haben, im Regenwald Primär- von Sekundärwald zu unterscheiden. Wenn man nur deutschen Wald kennt, ist das erstmal gar nicht so einfach. Bei den vielen Aufforstungsgebieten und Sekundärwald um uns herum haben wir verstanden, dass  vielleicht weniger Ursprünglichkeit besteht, als wir dachten. Das tut der Schönheit keinen Abbruch, ist aber natürlich Teil einer traurigen Historie. Vor Projektbeginn wussten wir gar nicht genau, welche Aufgaben und welche Art von Projekt auf uns zukommen werden und so sind wir neugierig ins Grüne gestartet.

„Es begann also alles schon sehr abenteuerlich…“

Wie waren eure Eindrücke auf der Reserva Kinkajou? Von Anfahrt über Wiederbewaldung und Natur, sowie Partnerschaft mit der Yatama Lodge. Erzählt uns alles! 

Am Morgen unserer Anreise waren wir doch etwas aufgeregt, was uns im tiefsten Dschungel erwarten würde. Zu der Reserva Kinkajou sowie unserer Unterkunft, der Yatama Ecolodge fährt man mit einem Pickup knapp eine Stunde eine unbefestigte Straße mit wunderschönen Aussichten entlang. Es begann also alles schon sehr abenteuerlich und spätestens nach der ersten Nachtwanderung waren wir im Bann des Urwaldes gefangen und hofften jeden Tag darauf, neue Tierarten beobachten zu dürfen. Eine unserer Aufgaben war die morgendliche und abendliche Zählung des Großen Soldatenaras, wobei wir von Pedro, dem Besitzer der Yatama Ecolodge und Partner von Tropica Verde, sehr freundlich betreut wurden. Dank ihm haben wir während der zwei Wochen sehr viel über den Regenwald und seine Bewohner gelernt. Da Tropica Verde in der Reserva Kinkajou artenreich aufgeforstet hat, kann man dort sehr viele verschiedene Vogelarten beobachten und belauschen. Es ist ein traumhafter Ort für Naturliebhaber und das Gefühl, inmitten des Regenwaldes zu leben, mit all seinen Gerüchen, ist unbeschreiblich. Bereits vor unserer Reise haben wir den Schutz des Regenwaldes und seiner Bewohner als sehr wichtiges Thema betrachtet. Allerdings fühlt es sich noch einmal anders an, die Affen von Baum zu Baum schwingen zu sehen während der Tukan daneben im Baum sitzt und der Oropendola-Vogel seine einzigartige Melodie trillert. Da wird einem klar, dass wir diese wundersame Welt schützen sollten so gut wir können. Aus diesem Grund ist die Existenz von Organisationen wir Tropica Verde essentiell, um das Aussterben von Arten und die Reduktion der Waldflächen aufzuhalten.

Was hat euch dort am besten gefallen? Was sind dort eurer Ansicht nach Optionen für die Zukunft?

Am beeindruckendsten war es, die unglaubliche Vielfalt der Natur zu sehen und zu spüren, die so bunt und unbekannt daherkommt, sodass ein solches Erlebnis einen unglaublich prägt. Anfangs fällt einem auf, dass man keinen Blick für die gut angepassten Tiere hat und oft genug unbedarft an ihnen vorbeiläuft.  Es hat großen Spaß gemacht, dies dank vieler inspirierender Menschen lernen zu dürfen und sich die fremden Baumarten und Tiernamen einzuprägen.Auch in Deutschland halten wir den Wald für unglaublich schützenswert, aber der Regenwald schreit lauter, schriller und bunter um Hilfe und birgt daher möglicherweise ein großes Potential, weniger naturbegeisterte Menschen für seinen Schutz zu gewinnen. Wir haben vernommen, dass Tropica Verde überlegt, in der Hütte der Reserva Kinkajou einen Raum für Umweltbildung herzurichten. Solche Ideen sind großartig, denn so können Locals diese Räume nutzen und die jüngeren Generationen mit ins Boot holen. Wir haben in Costa Rica viele Einheimische in unserem Alter getroffen, die sich sehr für den Schutz der Umwelt einsetzen und die gilt es zu unterstützen.

Wie kamt ihr vom Regenwald in Sarapiqui nach Guanacaste zum Trockenwald-Projekt Monte Alto?

Nach einem doch etwas traurigen Abschied von Pedro und seinem Mitarbeiter Luis, mit denen wir uns in unseren zwei Wochen in der Yatama Ecolodge angefreundet haben, stiegen wir in den Bus, um uns auf den Weg Richtung Monte Alto zu begeben. Dabei muss man in der Hauptstadt San José umsteigen. Nach einem Zwischenstopp in Nicoya erreichten wir am nächsten Tag die Reserva Natural Monte Alto, wo uns die Mitarbeiter*innen mit offenen Armen empfingen. Bei unserer Busreise quer durch das Land konnten wir bereits den Wechsel der Flora und Fauna beobachten.

Wie wart ihr in Monte Alto untergebracht und wie habt ihr euch vor Ort versorgt? 

In Monte Alto haben wir in einem niedlichen Holzhäuschen gewohnt, das aufgrund der Nebensaison frei war, denn Monte Alto wird sonst oft von Gruppen besucht, die sich dort fortbilden wollen. Wie auch vor dem ersten Projekt, hatten wir vor Projektbeginn groß eingekauft, da wir nicht wussten, wie oft wir ins Dorf kommen würden. Dabei handelte es sich um ein kleines Missverständnis, denn im Endeffekt wurden wir jeden Tag liebenswert bekocht, was natürlich nicht nötig gewesen wäre. Für spezielle Wünsche und zum Erkunden der Gegend konnten wir zwei Mountainbikes von Tropica Verde nutzen und in den nahegelegenen Ort Hojancha fahren. Das ermöglicht viel Flexibilität, ist aber nichts für Faulpelze, da die Steigung nicht zu unterschätzen ist (insbesondere, wenn man dann aus Versehen den falschen Berg hochfährt, was uns Spezialistinnen natürlich passiert ist).

Was habt ihr in Monte Alto gelernt? Wie waren eure Eindrücke auch zur Umgebung?

Die Reserva Monte Alto liegt inmitten idyllischer Hügel und Wiesenlandschaften mit einigen Viehweiden in der Nähe des Ortes Hojancha. Die Region ist abgelegen von touristischeren Ortschaften, sodass man neben Trockenwaldspaziergängen auch einen Eindruck vom Leben der Ticos erhaschen kann. Das liegt uns beim Reisen sehr am Herzen, mitzuerleben, wie die Kultur und Bevölkerung des Landes geprägt sind.

Durch die freundliche Betreuung durch den lokalen Tropica Verde Mitarbeiter Gustavo Moraga haben wir in Monte Alto sehr viel über Beobachtungsmethoden der Tierwelt gelernt. Dazu gehörte u.a. der Umgang mit Wildkameras, das Anlegen von Wildfallen zur Spurensicherung verschiedenster Tierarten mithilfe eines Gussverfahrens sowie das Fangen von Vögeln zur Artenbestimmung in einer Region. Des Weiteren haben wir viel über die Relevanz von Wildkorridoren im Rahmen des Artenschutzes erfahren und über die Auswirkungen der Zerstückelung von Flächen durch Straßenbau und Rodung. Auch hierbei wird einem schnell bewusst, welche gravierenden Folgen der Eingriff des Menschen in die Natur haben kann. Besonders schön war es in diesem Rahmen, mit in eine Schule zu fahren, um die Kinder zur Projektarbeit anzuregen und ihnen die Umwelt näher zu bringen.In Monte Alto haben wir zudem verschiedene Aufgaben zur Instandhaltung übernommen, denn aufgrund der starken Witterung bedürfen Gebäude dort einer regelmäßigen Pflege.

Welche Kosten musstet ihr selbst tragen?

Unser Volontariat sollte natürlich vollkommen unabhängig von den Spendengeldern sein, die die Organisation empfängt. Daher war es selbstverständlich, sich eigenständig um die An- und Abreise zu kümmern. Zudem haben wir einen Tagessatz von umgerechnet 35 Euro an unsere Gastgeber bezahlt. In Monte Alto war die vollständige Verpflegung in diesen Preis inbegriffen. In der Yatama Ecolodge hat Pedro uns Grundnahrungsmittel zur Verfügung gestellt, und den Rest haben wir eingekauft. Das ist aber nicht viel Geld und das ein oder andere Mal durften wir beispielsweise Brotfrüchte oder Kokosnüsse zur Vervollständigung unserer Ernährung in Kinkajou ernten.

„Es ist durchaus möglich, dass der Gecko einen beim Toilettengang begleitet…“

Was würdet ihr anderen interessierten Volontären raten bzgl. Vorbereitung und Aufenthalt?

Man sollte darauf gefasst sein, dass man im Regenwald mit sehr vielen Tieren und Insekten lebt, sodass es durchaus möglich ist, dass der Gecko einen beim Toilettengang begleitet oder die Kröte sich abends auf die Veranda verirrt. Das ist aber nicht weiter tragisch und man gewöhnt sich allmählich daran. Pedro kennt sich in der Umgebung der Reserva Kinkajou, wo es durchaus auch einige sehr giftige Schlangenarten und andere für uns exotische Tiere gibt, sehr gut aus. Wenn man sich an seine «Sicherheitshinweise» und Tipps hält und bei Spaziergängen aufmerksam auf die Umgebung achtet, ist man auf der sicheren Seite.

Lange, lockere Kleidung ist zu empfehlen und Gummistiefel, falls dafür Platz im Gepäck ist. Gerade wenn man Freude daran hat, durch den Urwald zu stapfen, gibt es in der Tat kein geeigneteres Schuhwerk als die guten Gummistiefel. An regnerischen Tagen kann es vorkommen, dass man beinahe knietief im Schlamm versinkt. Gerade bei Aufenthalten in der Yatama Ecolodge ist es zudem empfehlenswert, nicht seine liebsten Stücke im Gepäck zu haben. Bei der hohen Luftfeuchtigkeit ist das Trocknen von Wäsche insbesondere in der Regenzeit ein beinahe hoffnungsloser Fall und Gegenstände, von denen man gar nicht wusste, dass sie dazu in der Lage sind, beginnen zu schimmeln…nach den zwei Wochen wissen wir, wovon wir sprechen. Es kann sein, dass so einige der Flecken nicht wieder entfernt werden können bzw. nur das Bleichen mit Chlor als letzte Option bleibt. Insgesamt können wir aber sagen, dass die kleinen Malheure die Erfahrung auf jeden Fall wert sind und wir bei so einzigartigen Momenten, die wir erleben durften, auf jeden Fall über ein Paar Stockflecken hinwegsehen können.

Empfehlenswert sind unbedingt auch Spanischgrundkenntnisse. Zwar spricht Pedro in der Reserva Kinkajou sehr gutes Englisch, die anderen Mitarbeiter*innen jedoch nicht. Ansonsten lohnt es sich, seine Fähigkeiten mit Tropica Verde abzusprechen, denn dann können die Projektpartner*innen einen vor Ort vielfältig einsetzen und ruckzuck kommt man auch als Englischlehrerin zum Einsatz.

Falls es Unsicherheiten geben sollte oder einem Fragen in den Sinn kommen, ist während der gesamten Projektdauer immer jemand da gewesen, an den wir uns wenden konnten. Von Seiten der Betreuung können wir auf jeden Fall ein riesiges Lob aussprechen!

Und…traut Euch! Auch wir sind fachfremd und haben nicht Biologie studiert. Trotzdem kann jeder zum Schutz der Umwelt beitragen, sie betrifft uns schließlich alle. Unsere Erfahrungen teilen wir fleißig und hoffen dadurch, so gut es geht, unsere Mitmenschen sensibilisieren zu können.

Vielen Dank für das Interview, liebe Bastienne und Freya. Wir von Tropica Verde bedanken uns bei euch für eure Mitarbeit und euer Engagement und wünschen euch auf eurem weiteren Weg alles Gute und viel Erfolg!

Volontärinnen Freya und Bastienne mit Stefan Rother
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